CARO JOST
 „stop-over / cross-over“
 

Rauminstallation in der ehemaligen Eingangshalle der Wohnräume von König Ludwig II. 
Residenz München, 15. Juli 2009 - 31. Dezember 2009.


Im Mittelpunkt steht ein in Gips eingegossener Thonet Stuhl. Kein anonymes, vergangenheitsloses Fundstück, sondern ein alter Stuhl, der jahrelang in der ehemaligen Bar von Charles Schumann in der Maximilianstraße, München seinen Dienst als Stammplatz erledigt hat. Fest mit dem Boden verhaftet, ist er ausgerichtet auf eine über 13 qm große Wandarbeit. Wie mit weit geöffneten Armen steht er ihr gegenüber. Denn die Wandarbeit verkörpert Bewegung. In dieser aus 42 Einzelbildern bestehenden Wandarbeit treffen 19 verschiedene Städte aufeinander und verschmelzen zu einem großen Ganzen. Es sind 42 Streetprints, die Caro Jost in den letzten Jahren während ihrer Arbeitsaufenthalte mit und auf den Strassen der unterschiedlichsten Städte gefertigt hat. Die Metropolen mischen sich und die Strassen laufen kreuz und quer. Hier liegt Berlin neben New York, München neben Paris, Wien neben Hong Kong und London neben Istanbul.

Der Stuhl im Gipssockel bildet einen Kontrast zu der grenzenlosen Reise in den Bildern. Die Wandarbeit verkörpert die Bewegung. Wie mit weit geöffneten Armen steht ihr der Stammplatz bewegungslos gegenüber. Er lädt den Betrachter zum Sitzen und Verweilen ein: stop-over. Bewegung und Ruhepol, das Eine bedingt das Andere. 


In die Horizontale versetzte Stelen sind seitlich an den Wänden zu dem eingegipsten Stuhl angebracht. Wie in einem fahrenden Zug sitzend, rauschen auf Augenhöhe am Fenster die Landschaften und Städte vorbei und es bleibt nichts, als das Gefühl des Abstrakten und der Geschwindigkeit.

Die international arbeitende Künstlerin Caro Jost will mit ihrer Arbeit Ausschnitte des Realen in seiner authentischsten Form festhalten. Dies aber nicht durch die herkömmlichen Medien Fotografie oder Malerei, sondern mittels eines eigenständigen Konzepts und einer dafür eigens entwickelten, neuartigen Methode: Streetprints, gleichlautend, wie die damit entstehenden Arbeiten. Es sind tatsächlich Abdrücke von Reliefs und Spuren, die sich auf Gehwegen und Strassen im Laufe der Zeit eingerieben haben. 
Das Resultat ist hoch abstrakt und dennoch extrem konkret. Dem Betrachter wird eine Wirklichkeit vorgeführt, die er so nicht kennt und der abgebildete Ort erschließt sich ihm nur über die Angaben zu Entstehungsort und Datum auf der Rückseite der Arbeit. Gleichzeitig dokumentiert Caro Jost mit dieser Vorgehensweise über Jahrzehnte hinweg weltweit auch ihre eigenen Lebenswege.

Wandarbeit
Streetprints 2005 – 2009 aus: Balatonalmadi, Basel, Berlin, Düsseldorf, Hong Kong, Istanbul, Frankfurt, London, New York, Madrid, Miami, München, Paris, Prag, Porto Cervo, Salzburg-München A8, Sevilla, Shanghai, Veszprém, Wien, Wolfsburg
320 x 380 cm
Materialverbindung auf Leinwand

Stammplatz
gebrauchter Thonet Stuhl aus der Bar Schumann´s, Gips

Ausstellungsort
Residenz München
acatech - DEUTSCHE AKADEMIE DER TECHNIKWISSENSCHAFTEN
Hofgartenstraße 2 / EG
Eingang Hofgarten / Residenzstraße 1
80539 München

In den einstigen Räumen von König Ludwig II hat heute die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften ihre Geschäftsstelle. Sie stellt die ehemalige Eingangshalle, um in unregelmäßigen Abständen Installationen aus dem Bereich Kunst und Architektur zu zeigen.

Die Ausstellung entstand mit Unterstützung der Walter Storms Galerie, München und acatech - Deutsche Akade-mie der Technikwissenschaften, Berlin/München

Ausstellungsende
31. Dezember 2009

Öffnungszeiten
Mi. – Fr.: 14 – 17 h

Kostenlose Führungen
nach vorheriger Anmeldung
info@stopover-crossover.com
Mo. – Fr.: 10 – 18 h